Kennen Sie die Zahnradbahn von Diakopto nach Kalavrita? Einige Dieselcrew-Members führten
im April 2000 eine Griechenlandreise durch: Auf schmaler Spur rund um den Peloponnes.
Die 22 km lange Bahnstrecke von Diakopto nach Kalavrita wurde in den Jahren 1889 bis 1896 gebaut. Sie
sollte zum einen das Kloster bei Mega Spileon sowie auch die Gegend um Kalavrita touristisch erschliessen, zum anderen
eine Verbindung quer durch den Peloponnes bis nach Tripolis herstellen. Aufgrund der sehr
anspruchsvollen Topographie gestaltete sich dieses Unternehmen äusserst schwierig und kostenintensiv, auf die
Weiterführung über Kalavrita hinaus musste verzichtet werde.
Die Strecke wurde ursprünglich mit Dampflokomotiven betrieben. Ab 1959 wurden elektrische Triebwagen, zusammen mit
zugehörenden Steuerwagen, beschafft.
Leider war es aber aus Geldmangel nicht möglich, die Strecke
wie vorgesehen zu elektrifizieren. Was sollte man da tun? Zweiachsige Generatorwagen verschaffen bis heute Abhilfe!
Auf diesen Wagen ist je ein Dieselmotor mit angeflanschtem Generator montiert, die Stromversorgung zum Triebwagen
erfolgt mittels Hochstromkabel. Als Besonderheit verfügen die Zahnrad-Triebdrehgestelle über aussenliegende
Kuppelstangen!
Die Strecke hat die bei uns für Zahnradbahnen unübliche Spurweite von nur 750 mm. Sie verfügt über mehrere
Zahnstangenabschnitte, welche bis über 140 Promille steil sind! Die Fahrt ist sehr abwechslungsreich,
zuerst gehts per Adhäsion durch Felder, vorbei an Schafen und Ziegen, dann steil bergan durch
mehrere beeindruckende Schluchten. Nach dem Bahnhof Mega Spileon, welcher den Ausgangspunkt zum Kloster darstellt, gehts dann wieder
in reiner Adhäsion nach Kalavrita weiter. Dieser Ort erlangte übrigens im 2. Weltkrieg traurige Bekanntheit, brachte
doch die deutsche Besatzungsmacht die gesamte männliche Bevölkerung um. Ein Museum erinnert heute an dieses schreckliche Ereignis.
Zu den 100-Jahr-Feierlichkeiten wurde eine Dampflok wieder aufgearbeitet und konnte für Museumsfahrten
eingesetzt werden.
Eine Dampflok steht heute beim Bahnhof Diakopto als Denkmal auf dem Sockel, eine weitere im (für unsere
Verhältnisse sehr kleinen) Eisenbahnmuseum in Athen. Drei Maschinen stehen vergammelt, von einem Gitterzaun umgeben,
auf dem Gelände in Diakopto rum, neben kaum mehr gebrauchten Güterwagen.
Einen Besuch dieser Strecke empfehlen wir auf alle Fälle. Mit dem
Ticket 1. Klasse kann die Fahrt direkt hinter bzw. neben dem Lokführer genossen werden, sitzt dieser doch in einem sehr
kleinen Führerstand in der Ecke des 1. Klasse - Bereichs. Wir empfehlen, die Billette frühzeitig zu lösen und dann die Wartezeit
im Gartenrestaurant direkt neben dem Bahnhof bei einem Ouzo, dem Nationalgetränk, zu verkürzen. Bei unserer Reise im April (Nebensaison) waren die Züge jeweils bis auf den letzten Platz
besetzt.
Sehr beliebt sind Wanderungen auf dem Trasse der Bahn! Das Betreten der Brücken und Tunnels wäre zwar verboten, wird aber von der
Staatsbahn OSE, welche diese Bahn betreibt, toleriert. Die Landschaft kann dem Vergleich mit der Furka-Bergstrecke bezüglich Schönheit und
Abwechslung auf alle Fälle standhalten und ist auch für nicht Eisenbahner ein Muss.
Bei der Station Mega Spileon befinden sich mehrere Gasthäuser, in welchen auch Uebernachtet werden kann. Der ideale Ausgangsort für die Wanderungen.
Leider wird auch bei dieser Bahn immer wieder über deren Einstellung diskutiert. Die Region hat den touristischen Nutzen
zum Glück erkannt und wehrt sich für deren Erhalt. Hoffen wir, dass die Züge noch lange Zeit nach Kalavrita raufdieseln
können!
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